Blogteleskop #18

Die Grafik blogteleskop.jpg kann nicht angezeigt werden, weil sie Fehler enthält.Anmerkung: Dieser Beitrag entspricht nicht der Meinung des Teams von SuperNova, sondern gibt die persönliche Meinung des Teammitgliedes Maria Pflug-Hofmayr wieder.

Das Jahr der Astronomie hat eben erst begonnen und löst schon zu Beginn heftige Kontroversen aus. Was war nochmal das Ziel dieser Veranstaltung? Den Menschen den Himmel näher zu bringen – oder ihn überhaupt wieder zugänglich zu machen. Wem der Himmel – oder sagen wir gleich, der Raum außerhalb der kleinen Kugel, auf der wir leben – bisher egal war, der hat Gelegenheit einmal einen Blick darauf zu werden, ihn kennenzulernen.

Viele jedoch, die generell gern ab und zu den Himmel beobachten würden, haben nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, weil sie sich kein Flugticket nach Afrika oder Südamerika leisten können. Ja, so paradox es klingt: man kann an den meisten Orten der Erde (zumindest da, wo Menschen leben) kaum Sterne sehen und sonst sowieso nichts (sprich: Nebel, Galaxien oder Sternhaufen). Daher ist eins der Ziele des Internationalen Jahres der Astronomie, einerseits ein Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen und andererseits auch die Situation, den Ist-Zustand zu verbessern.

Und da fangen die Probleme schon mal an, weil selbst Astronomie- Institutionen dieses Problem nicht vollumfänglich als solches (an-)erkennen. Zum Beispiel die Zeitschriften Sterne und Weltraum oder Interstellarum. Meint zumindest Kosmo(b)log(ger) Jan Hattenbach in “Himmelslichter”.

Da wird ein Horizontobservatorium eingeweiht, nicht nur mit Pomp, sondern auch mit einer Skybeamer-Lichtshow. Na gut, es ist nur für einen Tag (Abend). Irgendwie meint man, es wäre kein Schaden am gleichen Abend zu begutachten, was das Ding eigentlich kann… aber sei’s drum. Kommt man eben an einem anderen Abend, wenn es dunkel und sternklar ist. Was aber befremdet ist die völlig kritiklose Berichterstattung in den beiden Astronomie-Medien. Kann / darf / soll man das gutheißen? Wohl eher nicht…

A propos Lichtverschmutzung: Die Sendung „Die dunkle Seite des Lichts“ wird am 27. Januar auf arte wiederholt.

Ebenfalls über Licht in der Nacht berichtet die kritische UFO-Forschung (da schau – was es so alles gibt…)

Ein anderes leidiges Thema ist die Astrologie, meint Florian Freistetter. Michael Khan meint in der Diskussion zu „Alle Jahre wieder“ (Astra / Eugen Reichl): „Auch wenn jemand mal etwas nicht weiß, hat er/sie dennoch ein Anrecht auf Respekt“ und schlägt vor, Astrologen mit Information über Astronomie zu begegnen (nach dem Motto: wenn du mich mit deiner Weisheit beglückst, darf ich dich auch mit meiner beglücken.) In diese Kerbe schlagend schlug ich unlängst im Kreise einiger Astronomen vor, „Astronomie für Astrologen“ anzubieten – ganz ohne Bekehrung und Moralpredigt („lasset ab von eurem schändlichen Tun, wendet euch dem Wahren Glauben zu“), sondern einfach nur Info anbieten. Warum zB ist die Sonne kein Planet. Warum ist der Mond kein Planet. Warum ist Pluto kein Planet.

Wenn es nicht sehr ungehörig und vor allem strafbar wäre Leute zu steinigen, ich weiß nicht, was mit mir passiert wäre. (Glücklicherweise liegen in einer Stadt wie Wien derzeit zwar sehr viele Steine auf der Straße herum, aber nur ganz kleine…)

Ich denke, da ist auch Aufklärung und Bewusstseinsbildung in den eigenen Reihen angesagt. Von Leuten, denen man offen Unzurechnungsfähigkeit vorwirft, kann man nicht allzu viel Toleranz erwarten. Einer großen Gruppe von Leuten (und Horoskope werden von wirklich vielen Leuten gelesen!) pauschal ins Gesicht zu sagen: „Ihr seid allesamt Idioten!“ (wortreicher formuliert) bewirkt vielleicht nicht genau das, was wir erreichen wollen – nämlich dass sich wieder mehr Leute mit dem Himmel beschäftigen. Meinetwegen auch Astrologen – warum nicht.

Ich will hiermit keinen Zweifel daran äußern, dass Astrologie Unsinn ist. Es ist aber beileibe nicht der einzige Unsinn, der uns als Halbwissenschaft verkauft wird, berichtet Tobias Meier bei Weiter Gen in einem Beitrag über Rudolf Steiner und die Schrödingergleichung. Sven Keßen (Kamenin) regt sich in „Begrenzte Wissenschaft“ über Esoteriker-Resozialisierung auf und meint, hier wird mit zweierlei Maß gemessen.

So, genug gepredigt. Lauschen wir wieder dem Rauschen im Bloggerwald.

Heiner Otterstedt berichtet auf „Wir sind im Garten“ über astronomische Ereignisse 2009 und Astronomie für Gärtner – das Sternbild Orion.

Kulturelle Aspekte hat das Jahr der Astronomie auch. Aus dem fernen Rom und der fernen Vergangenheit meldet sich Marcus Tullius Astrum zu Wort, Sterndeuter im Dienste des Kaisers Augustus, um uns heute lebenden Himmelsfreunden zu sagen, dass er das Jahr der Astronomie großartig findet.

Für mich hat auch dieses Bild einen kulturellen Aspekt, wegen seiner Einfachheit, seiner Ästhetik und seiner Entstehung. Man braucht für so ein Bild eine leere „Hülse“ (Getränkedose), ein Stück Fotopapier und etwas Isolierband, schmeiße das damit erstellte Teil ein halbes Jahr lang in die Botanik (möglichst so, dass kein aufmerksamer Parkwächter es entsorgt), fische nach 6 Monaten das Papier in der Dunkelkammer wieder heraus und lege es in den Scanner. Voila! Ministerialrat Daniel Weselka versprach bei der Eröffnungsfeier des Jahres der Astronomie in Wien einen Preis für das erste solche Bild aus Wien – welchen Preis er aussetzt, hat er leider nicht verraten.

Kein politisches Zeug, einfach nur schöne Bilder und Beobachtungsberichte gibt’s auf Robert Häberles Asto-Blog.

Weniger schöngeistig ist bestialischer Gestank. Methan. Löst auf der Erde eher Verärgerung aus, auf dem Mars dagegen helle Freude. „Wie bestimmt man in der Wissenschaft, wer der erste ist?“ fragt Ludmila Carone in „Hinterm Mond gleich links“ (mein Lieblingsblog. Sorry, guys). Keine neue Frage. Schon Galilei lieferte sich heftige Gefechte mit Kollegen, die ihm seiner Meinung nach geistiges Eigentum stahlen. Unter anderem stammten die ersten Mondkarten nicht von ihm, sondern von Thomas Harriot. Ohne sein reiches Erbe schmälern zu wollen: der einzige Himmelsbeobachter mit Teleskop war er seinerzeit beileibe nicht.

Eine Doku über Einsteins große Idee stellt Stefan Taube auf Lichtecho vor. Lars Fischer denkt im Fischblog über Gravitationswellen und die Welt als Holodeck nach. Viel zu kurz kommt jetzt der Meteor: Olaf Prause (Solscape) berichtet über einen Feuerball über Nordeuropa.

So, und wer immer noch nicht genug gelesen hat, werfe noch einen Blick auf diese Seiten:
http://www.kosmologs.de/ (viel viel viel zu lesen!)
http://astrojahr.blogspot.com/ (alles über das Jahr der Astronomie in Deutschland)
http://asterythms.net/
http://www.wissenswerkstatt.net

Last but not least: zum Abschluss ein netter Astro-Quiz!

Comments are closed.