Café Elektric (R:Gustav Ucicky, A 1927)

September 1st, 2010
So., 05.09.2010, 20:00 Uhr
So., 12.09.2010, 21:55 Uhr (WH)

Dieser vom Filmarchiv Austria präsentierte Stummfilm ist in der Wiener Halbwelt der 1920er Jahre angesiedelt: ein Nachtlokal, verruchte Dirnen, ein verführerischer Strizzi. An dieser Welt findet Erni, eine Tochter aus gutem Hause Gefallen. Aus Liebe zu dem Schurken begeht sie einen Diebstahl und zieht damit nicht nur sich selbst in den Abgrund… Mit Marlene Dietrich und Willi Forst in ihren ersten Hauptrollen. Sehenswert!

5 Fabriken – Arbeiterkontrolle in Venezuela (Oliver Ressler, Dario Azzellini A 2006)

June 7th, 2010

So, 29.08.2010, 20:00 Uhr
So, 05.09.2010 (WH)

Dario Azzellini und Oliver Ressler dokumentieren die Praktiken der politischen Partizipation in Venezuela. Zwischen der Aluminiumhütte Alcasa in Ciudad Guayana, einer Textilfabrik in San Cristóbal, einer Tomatenfabrik in Altagracia de Orituco, einer Kakaofabrik in Cumaná und einer Papierfabrik in Morón zeigen sich vielschichtige Berührungspunkte: ein Aufstand des „unterdrückten Wissens“ (Michel Foucault) wird sichtbar. In kritischer Auseinandersetzung mit dem Staatskapitalismus der UDSSR und Kuba und mit dem Aktienbeteiligungs-Modell der Sozialdemokratie suchen nach der Regierungsübernahme durch Hugo Chávez 1998 ArbeiterInnen-Kooperativen nach neuen Formen des politischen Aktivismus.
ArbeiterInnen werden zu ProtagonistInnen ihrer eigenen Geschichte: „Wir denken nicht wie der Commandante Chávez. Es ist der Commandante Chávez, der denkt wie wir“, sagt ein Arbeiter der Kakaofabrik in Cumaná. Diese „neue politische Kultur“ forciert eine innerbetriebliche „Produktion von Subjektivität“ (Maurizio Lazzarato), die das politische Handeln der Stellvertreter und Fürsprecher ständig aufs Neue herausfordert. Demzufolge wird die „Mitverwaltung“ der ArbeiterInnen bloß als ein Übergang zur vollständigen „Arbeiterkontrolle“ und „Selbstverwaltung“ gesehen.
Im Film kommen die strategischen Ziele dieser Transformation zur Sprache: die Veränderung der Produktionsverhältnisse, eine selbstorganisierte Arbeiterdemokratie und eine Egalisierung der Löhne. Wie bereits in “Venezuela von unten” (2004) thematisiert der Film die Potentiale des diskursiven Widerstands – eine Verflechtung von politischem Wissen und lokalen Erfahrungen, die es ermöglicht, ein historisches Wissen der Kämpfe zu erstellen und dieses Wissen in ein politisches Handeln einzubringen. (Ramon Reichert)

Bleiben will ich wo ich nie gewesen bin (A 2007, R: Libertad Hackl)

June 7th, 2010

So., 22.08.2010, 20:00 Uhr
So., 29.08.2010 (WH)

In Libertad Hackls erstem mittellangen Spielfilm finden sich Menschen in Zwischenzuständen in einem geografischen Dazwischen wieder. In einer episodischen Erzählstruktur entfalten sich die genau beobachteten Geschichten von Lin, der ursprünglich aus China stammenden Adoptivtocher eines österreichischen Ehepaars; Ludvík, dem 1969 nach Paris emigrierten Tschechen, der zum ersten Mal zurück nach Prag unterwegs ist; und Madga, der Verkäuferin, die am Beginn des Arbeitstages ihre Tochter im Kindergarten abgibt, weil deren Vater wieder einmal nicht aufgetaucht ist. Die drei begegnen einander nie, verbringen aber den gleichen ruhigen, nebelverhangenen Tag in Excalibur City, einem Stadtsurrogat im Niemandsland zwischen Österreich und Tschechien. So wie der Ort mit seiner märchenhaften Aufmachung Heimat nur simuliert, scheinen auch diese drei Figuren ihre Leben an der Oberfläche zu simulieren, während andere, tiefer liegende Sehnsüchte und Erinnerungen in ihnen arbeiten. Lins kleine Schwester singt einmal: „Bei Nacht bin ich nicht gern allein“ und formuliert auf diese Weise das Unbehagen mit der nur schlecht zu verbergenden Heimatlosigkeit.

Bewegung im System – Ein Double Feature zu Veränderung

June 7th, 2010

So., 15.08.2010, 20:00 Uhr
So., 22.08.2010 (WH)

Sonnenregenkinder

sonnenregenkinder von Catherine Radam (2005)
33 min

„Ich war einmal ein Mädchen und lebte in der Deutschen Demokratischen Republik.“ So beginnt die Erzählung einer Zeit, die so fern ist vom Heute und doch ein Teil der Kindheit von Catherine Radam. Dies ist ein bewusst subjektiver Film zum Thema „Mauerfall“, der versucht, eine Lücke zu füllen nach all den Dokumentationen, die kurz nach dieser Zeit darüber entstanden sind, und den Bildern der Gegenwart. Damals ahnte man noch nicht, was übrig bleiben würde von der Hoffnung und Angst, die man der Zukunft entgegenbrachte. Jetzt ist es an der Zeit, die „sonnenregenkinder“ zu Wort kommen zu lassen. „Ich habe Fragen gestellt, an meinen Vater, an einen Freund und an dessen Vater, doch vor allem an mich. Kindersendungen aus der DDR gaben dabei ebenfalls ungefragt Antworten.“ (C. Radam)

Franz Hirzabauer – Das 2. Vatikanum geht in Pension von Johanna Moder
45 min

Franz Hirzabauer geht in Pension und verlässt damit sein Pfarrgebiet rund um Trofaiach, mitten im Industriegürtel der Obersteiermark. Anhand seines Lebens blickt der sehr persönliche Dokumentarfilm zurück auf die letzten 60 Jahre des steirischen Katholizismus und erzählt von den Idealen, den Auswirkungn und vom Scheitern des zweiten Vatikanums.

Babooska (R: Tizza Covi und Rainer Frimmel, A/I 2005)

June 7th, 2010

So., 08.08.2010, 20:00 Uhr
So., 15.08.2010 (WH)

babooska

Im Gespräch mit Lukas Maurer stellen Tizza Covi und Rainer Frimmel, die mit ihrem jüngsten Film “La Pivellina” international Erfolge feiern, eine Arbeit aus dem Jahr 2005 vor und sprechen über ihre sehr spezifische (Zusammen)Arbeit im ganz kleinen Team sowie über weitere Pläne.

“Der Film erzählt in mehreren Episoden vom alltäglichen Existenzkampf moderner Nomaden in Italien. Im Zeitraum eines Jahres wird die junge Artistin Babooska, die mit ihrer Familie einen Wanderzirkus betreibt, auf ihrer Odyssee durch entlegene Ortschaften begleitet: ein Blick hinter die Kulissen eines Mikrokosmos am Rande der Gesellschaft, abseits gängiger Klischees, ohne Kommentar und ohne Interviews.

Das Filmemacherduo Tizza Covi und Rainer Frimmel nimmt sich Zeit für seine Projekte. In Babooska folgten sie ein Jahr lang einem Leben im Wohnwagen, teilten die Sonnen- und Schattenseiten einer überwiegend weiblichen Zirkusfamilie auf ihrer Rundreise durch oberitalienische Städte. Die Idee der Freiheit auf Reisen verliert auf angenehme Weise an Romantik, wird zu dem was es ist: Organisatorischer Aufwand und ständiges Planen, etwa wo Babooskas Schwester zu Schule gehen soll oder worin die Kassaeingänge investiert werden. Einmal mehr erweisen sich Covi und Frimmel als filmische Poeten des Alltags an den Rändern normierter Lebensformen.”  (Text: Viennale 2005)

Filmarchiv Austria zeigt… Austria Wochenschau

June 7th, 2010

So., 01.08.2010, 20:00 Uhr
So., 08.08.2010 (WH)

austria wochenschau

Die Austria Wochenschau war zwischen 1949 und 1982 ein fixer Bestandteil der heimischen Kinokultur, der das offizielle Bild von Österreich maßgeblich geprägt hat. Jede Woche flimmerten 10 Minuten Berichterstattung über die heimischen Kinoleinwände. Zunächst noch reine Nachrichtenschau, verlagerten sich die Inhalte später auch in Richtung Unterhaltung und Society.
Thomas Ballhausen präsentiert Highlights aus der legendären Kino-Illustrierten und diskutiert sie mit Robert Buchschwenter im Kontext des zeitgeschichtlichen Wandels.

Muhr Stories

June 7th, 2010

So., 25.07.2010, 20:00 Uhr
So., 01.08.2010 (WH)

wolfgnag muhr

Der Schauspieler, Autor und Filmemacher Wolfgang Rupert Muhr plaudert mit Lukas Maurer über die Wechselwirkung von Film und Theater, das Spiel mit Genres und Ironie und Identität als filmisches Thema.

Seine Laufbahn brachte Muhr von der Schauspielerei (Engagements u.a. an Josefstadt und Volkstheater) schließlich zum Film. Er schreibt aber auch Bücher und Hörspiele. Seine Liebe gilt allem Fiktionalen.

Oktoskop zeigt vier Kurzfilme:

Lover´s Campus, ein Film über Partnerschaften, Streit und Klischees.
Lebewohl, Bruder! Eine Fake-Doku, die (vor laufender Kamera) zum realen Drama wird.
Lonely At The Top, ein Porträt über den Travestiestar Lucy McEvil
und
Begun In Hollywood, Finished In Vienna
- Amerikanische Traumwelt versus Wiener Wirklichkeit


Natasha (R: Ulli Gladik, A 2008)

June 7th, 2010

So., 18.07.2010, 20:00 Uhr
So., 25.07.2010 (WH)

Eine Frau sitzt auf der Straße und hält die Hand auf. Es ist ihre Arbeit. Wenn sie genug verdient hat, fährt Natasha nach hause zu ihrer Familie in Bulgarien. Wenn das Geld knapp wird, kommt sie zurück. Regisseurin Ulli Gladik hat die beeindruckende Frau zwei Jahre lang begleitet und zeigt in ihrem behutsamen Portrait den Menschen hinter der Bettlerin.

“BettlerInnen erzeugen Scham und machen Angst. Man will sie nicht sehen, weicht aus und hat alle möglichen Vorurteile. BettlerInnen sind die Unberührbaren unserer Gesellschaft. Mit dem Film wollte ich einen Menschen aus dieser Anonymität herausholen und zeigen, wer das ist – quasi dessen Berührbarkeit vermitteln – und ich danke Natasha für ihre Geduld und Bereitschaft den Film möglich zu machen.” (Ulli Gladik)

Bellavista (R: Peter Schreiner, A 2006)

April 9th, 2010

So., 11.07.2010, 20:00 Uhr
So., 18.07.2010 (
WH)

bellavista-2

Bellavista – der Name, den so viele Hotels in Bergorten tragen – ist auch der Name eines Hotels im abgelegenen Sappada (Pladen, Plodn), einer Sprachinsel in den Karnischen Alpen in Norditalien, unweit der Grenze zu Österreich. Giuliana, die einzige Tochter des Hoteliers Piero und seiner Frau Diana, Jahrgang 1957, geboren in Sappada, lebt nach Aufenthalten im Ausland, Germanisti-Studium, zwei schweren Unfällen und dem Tod zweier Brüder wieder bei ihrer Familie im Bellavista. Ihr jüngster Bruder führt – zusammen mit der Mutter – das Hotel. Neben ihrer Arbeit in der Hotelküche erforscht und dokumentiert sie seit mehr als zwei Jahrzehnten den Dialekt des Plodarischen, mit dem sie seit ihrer Kindheit vertraut ist. Der Film begleitet sie bei ihren Besuchen bei den Alten und zu den versteckten Orten ihrer Kindheit. Giuliana bewegt sich durch das Dorf entlang ihrer eigenen Lebenslinien. Sichtbare Marksteine werden Erinnerungszeichen für Lebensabschnitte. Auf der Suche nach dem „kreativen Raum als Rettung“, wie sie es ausdrückt, wird sie mit der Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit ihrer eigenen Lebensgeschichte konfrontiert. Ihre Suche steht für eine neue, heute oft einzig mögliche Existenzweise: den Versuch, die eigene Kindheit nicht aus den Augen zu verlieren.

Filmarchiv Austria zeigt: Faszination Filmarchivierung

April 8th, 2010

So., 04.07.2010, 20:00 Uhr
So., 14.07.2010 (WH)


Thomas Ballhausen vom Filmarchiv Austria ist zu Gast bei Robert Buchschwenter und erzählt von der Arbeit eines Archivars. Was sind die Aufgaben eines Archivs? Welche Fragestellungen kann man an das gesammelte Material stellen und wie wirkt sich die Art der Fragestellung auf die Erkenntnisse aus? Nach welchen Kriterien erweitert man das Archiv, welchen Schwierigkeiten begegnet man dabei mitunter?

Erörtert werden diese und ähnliche Fragen anhand früher Stummfilme aus Österreich. Zu sehen sind Ausschnitte aus mehreren Werken, darunter auch aus „Cafe Elektric“ mit Marlene Dietrich in ihrer allerersten Hauptrolle .