Die Sendung BRIGADA
Entstehung der Sendung
Die Idee eine solche Community-Sendung über das Leben der Bulgaren in Österreich zu gestalten, entstand während einer Veranstaltung des Institutes für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien, die auf die Möglichkeit der Sendungsgestaltung verwies. Im Sommersemester 2007 bewarb sich eine Gruppe von 5 StudentInnen mit einem Konzept bei der Programmintendanz von OKTO und kurz danach wurde die Zusage herausgegeben. Drei Beteiligte des Produktionsteams absolvierten die vorausgesetzten Einschulungen und bekamen somit auch Zugang zum technischen Equipment des TV-Senders. Obwohl die Gruppe bereits einige Erfahrungen bei Veranstaltungen an der Universität Wien gesammelt hatte, dauerte es etwa drei Monate, bis die Null-Sendung den vorausgesetzten Qualitätskriterien genügte und ihnen ein Sendeplatz zugesprochen wurde. Am 13. Dezember 2007 wurde die erste Ausgabe von „Brigada“ ausgestrahlt – es sollten noch weitere sieben folgen.
Aufbau und Ziele der Sendung Brigada
„Brigada“ ist eine 27-minütige Magazinsendung, die alle 8 Wochen im Programm von OKTO ausgestrahlt wird. Sie besteht meist aus drei Hauptrubriken: Information, Kultur und Porträt. Zwischen den einzelnen Beiträgen wird von einer Moderatorin resp. einem Moderatorenpaar die folgenden Themen kurz vorgestellt und kommentiert. Die Gestaltung der Sendung ist jedoch in sofern variabel bzw. flexibel, so dass Programminhalte durch plötzliche Aktualität anderer, verändert werden können
Informationsrubrik
Diese Rubrik ist an das bulgarische Publikum gerichtet und besteht aus einer Kombination aus informativen Beiträgen (Kommentare) und Interviews. Hauptziel ist es, die wichtigsten Informationen bezüglich der in Österreich geltenden Gesetze, Regelungen und Vorschriften, die (in)direkt in Österreich lebende bulgarische Bürger betreffen, zu präsentieren. Die Reporter von Brigada treffen sich mit leitenden Angestellten der Staatsverwaltung, Politikern und Experten und versuchen mit Hilfe von Interviews wichtige Informationen zu filtern. Anschließend wird die Information in eine ansprechende und geeignete Form gebracht, um das Publikum damit vertraut zu machen. Dabei wird ganz besonders auf Details (Termine, Begriffe, Amtssprache) geachtet, die von den Interviewten selbst erläutert wird. Der Inhalt der Rubrik wird mit Untertiteln in bulgarische Sprache übersetzt.
Da prinzipiell ein Interview an und für sich bereits länger dauert, als die gesamte Sendezeit ermöglicht, wird die Reporterin ins Studio eingeladen und im Gespräch mit den Moderatoren der Sendung erklärt sie für die Zuseher die genaue Thematik, wie auch Ausgangssituation, interessante Punkte und Fragestellungen aus Sicht der bulgarischen Community. Nach Ausstrahlung des Interviews werden im Studio die Standpunkte der bulgarischen Gemeinschaft anhand eines Kommentars der Reporter erläutert.
Diese Rubrik hat einen Auskunftscharakter, denn in erster Linie handelt es sich bei den Beiträgen um Kompetenzvermittlung. Sie soll dem Publikum den Integrationsprozess in die österreichische Gesellschaft erleichtern und nach Möglichkeit beschleunigen. Bei Interviews wird nicht nach einer Konfrontation oder Diskussion mit der Verwaltung gestrebt, sondern es sollen Einblicke in Strukturen, Amtswege und Verantwortungsbereiche gegeben werden. Es wird nach einer Problemlösung auf Basis bestehender Gesetze gesucht und nicht nach deren Veränderung.
Die Dauer ist nicht genau geregelt – sie ist sowohl vom Thema wie auch der Relevanz für die bulgarische Community abhängig. Es wird auf eine detaillierte Darstellung geachtet und darauf, sie auf bestmögliche Art und Weise zu transportieren.
Kulturrubrik
Diese ist prinzipiell an das österreichische Publikum der Sendung gerichtet, denn hier werden kunstschaffende BulgarInnen und bulgarische Kulturveranstaltungen (Konzerte, Ausstellungen etc.) präsentiert. Wien ist eine Art Kulturhauptstadt Europas, in der viele Künstler schöpferisch tätig sind. Die bulgarischen Musiker, Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Dichter sind Teil dieser Community. Die Sendung Brigada versteht sich als eine Art der Medienplattform für bulgarische Kunst und Kultur. Ihr ProduzentInnen haben das Ziel, Ergebnisse und Erfolge ihrer Tätigkeiten den Zusehern zu präsentieren und dabei zur Popularisierung bulgarischer Kunst und Kultur in Österreich mitzuwirken. Die Rubrik hat die Dauer von etwa 7 Minuten, wird allerdings an die restliche Sendezeit angepasst. Sie hat Informationscharakter und inkludiert Reportagen, Berichte und Interviews. Die ProduzentInnen legen dabei sehr großen Wert auf eine unparteiische Berichterstattung. Die Zuseher sollen die Möglichkeit bekommen sich selbest ein Bild über den präsentierten Künstlern oder Veranstaltunen zu machen und alein zu entscheiden ob diese Kunst und Kultur im gefählt oder nicht.
Bei Berichten wird die Verwendung des Superlativs sowie auch der Expression eigener Meinungen durch die Reporter penibel vermieden. Es wird ebenfalls darauf geachtet, dass die Grundsätze und Richtlinien bezüglich dem Bewerben von Veranstaltungen oder Produkten nicht verletzt werden. Bei der Themenauswahl achten die ProduzentInnen darauf, sich an das Interesse des Publikums anzupassen. Die Rubrik soll generell Interesse für Bulgarien beim Publikum wecken und sie an die Sendung binden. Dadurch sind Künstler, die in ihren Werken typisch bulgarische Elemente einbauen, stärker präsent in der Kulturrubrik, als jene, die dies nicht machen.
Porträt
Diese Rubrik richtet sich sowohl an das österreichische wie auch das bulgarische Publikum. In Form von Porträts wird in jeder Sendung ein Mitglied der bulgarischen Community den Zusehern vorgestellt. Die ProduzentInnen suchen sich Personen aus, die bereits den Respekt der Österreicherinnen und Österreicher gewonnen haben und sich bereits in der Gesellschaft gut eingelebt und integriert haben. Bei der Recherche versuchen die Reporter von Brigada durch Gespräche mit Freunden und Bekannten der jeweiligen Person, sowie im Internet, allgemeine Informationen herauszufinden. Sie setzen sich mit den individuellen Geschichten und Biographien auseinander und setzen bei einem Vorgespräch bestimmte Akzente bzw. diese Akzente werden gemeinsam mit der Interviewter herausgearbeitet. Dem konkreten Arbeitsfeld der präsentieren Persönlichkeit wird etwas weniger Zeit in der Sendung geschenkt – viel mehr Wert wird auf den Werdegang, die Erfahrung wie auch Positives und Negatives bezüglich des Aufenthalts in Österreich gelegt.
Mit Hilfe dieser Rubrik versuchen die ProduzentInnen von Brigada dem Aufbau eines negativen Images ihrer Heimat und ihrer Community in Österreich durch die privat-kommerziellen Medien entgegenzuwirken.
„Wir glauben, dass wir durch das Präsentieren von dem Publikum bekannten Bulgaren, etwas Wertvolles für die Gesellschaft beigetragen haben und somit das Image unserer kleinen Gemeinde verbessern können. Wenn eine prominente Person über ihre Probleme in der Öffentlichkeit berichtet, bekommt sie größere Resonanz. Die Leute denken nach, setzen sich mit dem Thema auseinander und verändern manchmal sogar ihr Verhalten. Wir hoffen dadurch mehr Akzeptanz, Respekt und Verständnis für unsere Anliegen zu bekommen.“
Arbeitsteilung in der Gruppe
Der Fernsehkanal OKTO hat keine Redaktion im herkömmlichen Sinne – jedes einzelnes Sendungsteam bei OKTO kann als eine kleine, selbstständige Redaktion betrachtet werden. Genau so verhält es sich auch bei den ProduzentInnen von Brigada. Alle Aufgaben, die mi der Herstellung der Sendung verbunden sind, sind streng zwischen den Teilnehmern verteilt. Bis vor kurzem war Ludmilla Handjiska für die Interviews und die Reportagen zuständig. Gemeinsam mit Corina Malicek, die im ersten Jahr hinter der Kamera stand, ist sie mittlerweile aus der Produzentengruppe ausgestiegen, um sich einem neuen Projekt zuzuwenden. Die momentane Reporterin ist Zornica Raicheva, ebenfalls Publizistikstudentin an der Universität Wien. Ana Dencheva übernimmt die Moderation, Ivan Kartchev und Orlin Karchev sind für die Aufnahme, Ton und den Schnitt zuständig.
Die Entscheidung, welche Themen und Personen in die jeweilige Sendung kommen, wird gemeinsam von allen ProduzentInnen in der Gruppe bei einer Art von Redaktionskonferenz, die alle zwei Wochen stattfindet, entschieden. Jeder schlägt nach eigenem Ermessen unterschiedliche Themen und Persönlichkeiten vor, alle Vorschläge werden begründet, diskutiert und eine Einigung unter allen Mitarbeitern erzielt. Bei der Themenauswahl der Informationsrubrik richten sich die ProduzentInnen in erster Linie nach dem Interesse des bulgarischen Publikums. Alle ProduzentInnen beteiligen sich aktiv an dem Leben der bulgarischen Community in Österreich und sind sehr gut mit ihren Problemen vertraut. Sie verfolgen die Kommunikationsabläufe zwischen den Communitymitgliedern in Internetformen, sind permanente Gäste bei Versammlungen und Veranstaltungen und befinden sich im ständigen Kontakt mit anderen Bulgaren in Österreich. Auf diese Art und Weise versuchen sie, die wichtigen Themen und Probleme herauszufiltern und anschließend gründlich zu recherchieren, um sie zum Thema einer der nächsten Sendungen zu machen. Der Sendungsverantwortliche ist auch gleichzeitig Obmann des Vereins bulgarischer Studenten in Österreich – KIT (KIT-VBSÖ) und als solcher hat er gute Kontakte zu anderen bulgarischen Kulturvereinen, dem bulgarischen Botschafter, dem Kulturinstitut und dem Forschungsinstitut in Österreich.
Für die Rubrik Porträt nehmen die Mitglieder von Brigada eine selbsterstellte Liste zur Hand, eine Art von Pool bemerkenswerter Personen, die auch für das Publikum interessant sein könnten. Diese Liste wird ständig durch neue Eintragungen erweitern. Ist die Persönlichkeit der nächsten Sendung ausgewählt, beginnt die Recherchearbeit: Zunächst wird im Internet nach Webauftritten (Onlineartikel, Webseite, Blogs etc.) gesucht, die gesammelte Information zwischen den Produzenten via Skype, e-Mails o.ä. ausgetauscht und interessante Parts herausgenommen. Beim nächsten Redaktionstreffen wird darüber diskutiert, ob sie für die Sendung wirklich geeignet und auch tatsächlich von Interesse sind. Wenn alle Mitglieder mit der Wahl einverstanden sind, versucht der Sendungsverantwortliche mit ihr Kontakt aufzunehmen und einen Termin für ein Interview zu verabreden. Ist die Zustimmung erteilt, trifft er sich gemeinsam mit der Reporterin zu einem Vorgespräch, um Einzelheiten zu besprechen und zusätzliche Informationen zu sammeln. Danach wird für die jeweiligen Termine ein Kameraset, Beleuchtungsset und Mikrofone bei OKTO reserviert. Die Reporterin beginnt mit den Vorbereitungen ihrer Fragen und plant den Ablauf des Interviews.
Am Tag des Interviews treffen sowohl das Kamerateam wie auch die Reporterin eine Stunde vor Aufnahme vor Ort ein, um die Lage (Licht, Gegebenheiten) zu begutachten. Sie und der Kameramann besprechen den gewünschten Ablauf des Interviews (Drehwinkel, Nah- oder Halbnahaufnahmen etc.), sowie von ihr gewünschte zusätzliche Bilder, die später in den Beitrag eingebaut werden. Es wird nach dem Prinzip 1:5 gearbeitet – dies bedeutet etwa, dass für einen Beitrag von sieben Minuten ca. 35 Minuten Material aufgenommen werden muss. Die Position der Kamera wird gewählt, die Beleuchtung aufgestellt und der Weißabgleich vorgenommen.
Nach der Aufnahme bekommt der Cutter das Rohmaterial, nimmt den Capture vor und überprüft die Qualität der Arbeit. Dann bespricht er sich mit der Reporterin, um den Beitrag anschließend u schneiden. Es werden Bauchbinden und Übergänge in den Beitrag eingefügt – dabei gelten folgende Regeln:
- Die Informationsrubrik hat Vorrang gegenüber den anderen beiden Rubriken und dieser Beitrag wird auch als erster bearbeitet. Ist das Thema sehr wichtig und sehr brisant für die bulgarische Community, bekommt sie vielleicht sogar die gesamte Sendezeit. Es wird darauf geachtet, dass die gesamte Information, alle Aspekte und Sichtpunkte auf die bestmögliche Art transportiert werden. Sollten Missverständnisse auftreten oder eine Antwort mehrdeutig sein, setzt sich die Reporterin in Kontakt mit der interviewten Person, um etwaige Unklarheiten zu besprechen.
- Alle anderen Beiträge richten sich nach der Informationsrubrik und werden auf die verbleibende Sendezeit verteilt.
- Die Beiträge für Kultur- und Porträtrubrik sind in der Regel nicht länger als 7 Minuten. Ausnahmen sind nur bei Porträts zulässig, die die Geschichte einer für die bulgarische Community äußerst wichtigen Person erzählt.
Erst wenn alle Beiträge fertig sind, beginnt die Moderatorin, sich für die Aufnahmen fertigzumachen. Sie sieht sich jeden einzelnen Beitrag an, bespricht den Inhalt mit der Reporterin und konstruiert eine passende Moderation (Begrüßung, Einführung, Kommentar etc.). Obwohl die Moderation einen sehr wichtigen Teil der Sendung darstellt, bekommt sie bei Brigada die kürzeste Sendezeit und wird auf ein Minimum verkürzt:
„Wir wollen nicht uns und unsere Meinung präsentieren sonder die bulgarische Community in Österreich und ihre Mitgliedern. Da die Sendezeit knapp ist verzichten wir (wenn möglich) auf die Moderation oder wir machen sie möglichst kurz.“
Das fertiggestellte Material wird vom Sendungsverantwortlichen erneut überprüft, ob es den Richtlinien und Grundsätzen von OKTO entspricht, sowie ob es die in den Redaktionskonferenzen besprochene Botschaft tatsächlich transportiert. Sind Verletzungen festzustellen, werden die betreffenden Stellen am Schnittplatz verändert. Danach wird die fertige Sendung bei OKTO eingereicht, durchläuft nochmals eine Prüfung beim Programmkoordinator und wird anschließend freigegeben.